New Study: Automated NWU Analysis with mRay VEO Core

Wenn die Gefäßöffnung gelingt, das Gehirn aber trotzdem leidet

Ein Schlaganfall durch einen großen Gefäßverschluss gehört zu den dramatischsten Notfällen der Medizin. Die mechanische Thrombektomie – das operative Wiedereröffnen des verschlossenen Gefäßes – hat die Behandlung in den letzten Jahren revolutioniert und rettet täglich Leben. Doch auch wenn der Eingriff technisch perfekt gelingt, erholen sich manche Patient*innen trotzdem nicht ausreichend. Man spricht von „futile recanalization“ – einer erfolgreichen Gefäßöffnung, die klinisch kaum einen Unterschied macht.

Die aktuelle Studie „Clinical software for unsupervised automated net water uptake analysis predicts futile recanalization in acute ischemic stroke“ ist diesem Phänomen mit Hilfe von mRay VEO Core auf den Grund gegangen. Das Team um Abdallah Aburub und Oussama Dob von der Uniklinik Marburg hat die Ergebnisse im Juli 2026 in Frontiers in Neurology veröffentlicht.

Was wurde untersucht?

Die Forscher*innen analysierten 91 Patient*innen mit Schlaganfall durch einen großen Gefäßverschluss (large vessel occlusion, LVO) im vorderen Hirnkreislauf, die alle erfolgreich per endovaskulärer Thrombektomie behandelt wurden. Im Fokus stand eine Kennzahl namens Net Water Uptake (NWU) – die „Wasseraufnahme“ des geschädigten Hirngewebes, gemessen direkt im nativ CT (nCCT) bei Aufnahme in die Klinik.

Der Hintergrund: Wenn Hirngewebe durch Sauerstoffmangel geschädigt wird, versagen die Zellpumpen, Wasser strömt in die Zellen ein, das Gewebe schwillt an. Dieser Prozess lässt sich im CT als Dichteveränderung messen – je mehr Wasser, desto weiter ist der Schaden bereits fortgeschritten. Der NWU fungiert damit quasi als „Gewebe-Uhr“, die unabhängig von der reinen Zeit seit Symptombeginn zeigt, wie kritisch die Lage bereits ist.

Die Ergebnisse

Von den 91 untersuchten Patient*innen hatten 29 (rund ein Drittel) trotz erfolgreicher Rekanalisation einen schlechten Verlauf nach 90 Tagen. Bei genau dieser Gruppe war der NWU-Wert deutlich höher (Median 21,9 % gegenüber 3,0 % in der Gruppe mit gutem Verlauf) – ein Unterschied, der auch nach Berücksichtigung von Alter, Schlaganfallschwere und weiteren Bildgebungsparametern statistisch unabhängig bestätigt wurde.

Die Autor*innen leiten daraus zwei praxisnahe Schwellenwerte ab:

  • NWU > 17,5 % als hochspezifischer Marker für ein sehr wahrscheinlich schlechtes Ergebnis  
  • NWU > 11,5 % als früher Risikohinweis in der Akutphase

Beispielhafte Ansicht aus mRay VEO Core: automatisierte Auswertung von CT- und Perfusionsdaten mit ASPECTS, Mismatch-Volumen und Net Water Uptake (NWU) in Kern und Penumbra.

Conclusion

Der automatisiert gemessene NWU erweist sich in dieser Studie als deutlicher Hinweis für eine erfolglose Rekanalisation und bleibende Schäden nach 90 Tagen. Die vorgeschlagenen Schwellenwerte – >11,5 % als früher Risikohinweis und >17,5 % als hochspezifischer Bestätigungswert – könnten künftig helfen, Risikopatient*innen schon bei Aufnahme frühzeitig zu erkennen, die Prognose realistischer einzuschätzen und einen zusätzlichen Anhaltspunkt für das weitere klinische Vorgehen zu liefern.

Die Studie liefert ein starkes Argument dafür, dass automatisierte Bildgebungsanalysen einen Unterschied in der Akutversorgung von Schlaganfallpatient*innen machen können – als zusätzliches Werkzeug neben klinischer Erfahrung und etablierten Scores. Wir freuen uns, dass mRay VEO Core dazu einen Beitrag leisten konnte, und gratulieren dem gesamten Marburger Team zu dieser Publikation.

Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine retrospektive Studie an einem einzelnen Zentrum mit einer moderaten Fallzahl. Die Autor*innen selbst betonen, dass eine prospektive Validierung an mehreren Zentren noch ausstehet, bevor die vorgeschlagenen Schwellenwerte breit in klinische Entscheidungen einfließen sollten.

Quelle: Aburub A, Dob O, Gurschi M, Aghazadeh Y, Jaber J, Al-Tamimi Z, Samhan Z, Timmermann L, Nimsky C, Sporns P, Broocks G, Kemmling A. Clinical software for unsupervised automated net water uptake analysis predicts futile recanalization in acute ischemic stroke. Front Neurol. 2026;17:1798635. doi: 10.3389/fneur.2026.1798635 (Open Access, CC BY)

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